Adenauer Atomraketen Geheimnis

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andreaswagner
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Adenauer Atomraketen Geheimnis

Beitrag: # 1101Ungelesener Beitrag andreaswagner
Do 25. Mär 2021, 18:46

Ein Hallo in die Runde :P

Es folgt Teil 6 meiner Ausarbeitungen zum Thema des Aufbaus eines Raketenabwehrschirms in der alten Bundesrepublik.

Während ich in den ersten 5 Teilen meines Berichtes (Adenauers Raketenschirm) die Ausgangslage, die Motivation den Aufbau und die technische Versorgung von Adenauers Raketenschirm beschrieb, möchte ich in den folgenden Teilen weitere Aspekte des Raketenschirms beleuchten.

Ein Angriff mit atomar bestückten Raketen auf die Bundesrepublik musste, um die Abwehr rechtzeitig zu alarmieren, frühzeitig erkannt werden.
Das Mittel der Wahl hierfür sind große, weit reichende Radar – Aufklärungsantennen. Eine Angriffsrakete, z. B. die „Scud“ R-11M (8K14) des Warschauer Paktes, sollte schon im aufsteigenden, raketengetriebenen Ast der Flugbahn erkannt und identifiziert werden. Ist die Rakete an Hand ihrer Beschleunigungs- und Flugparameter erkannt, kann eine Aussage über Reichweite, Richtung und damit möglichen Abfangort gemacht werden. Die Alarmkette kann dann zielgerichtet ausgelöst werden.
Adenauer wohnte idyllisch am Rhein, südlich von Bonn. Und gut in Sichtweite von seinem Heimatort Röhndorf, in nur 6 km Entfernung entstand die damals größte Frühwarn – Radaranlage in Deutschland.
Östlich der Stadt Meckenheim, südlich des Ortes Berkum entstand in den frühen 60er Jahren ein geheimer Bau auf dem 275 m hohen Wachtberg.

Auch hierfür musste wiedermal eine Tarngeschichte herhalten.

Parallel zur Planung der Raketenabwehr wurde schon am 9. Dezember 1955 eine Gesellschaft zur Förderung der astrophysikalischen Forschung gegründet und in das Vereinsregister eingetragen. 1957 wurde dann daraus ein Forschungsinstitut für Hochfrequenzphysik. Und dieses „Forschungsinstitut“ bekam eben dann den gewaltigen Kuppelbau mit einer Höhe von über 55 Metern geschenkt.

Fortsetzungen folgen bald

liebe Grüße und bleibt Gesund

andreaswagner
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Re: Adenauer Atomraketen Geheimnis

Beitrag: # 1103Ungelesener Beitrag andreaswagner
Fr 26. Mär 2021, 07:27

Teil 7

Vom äußeren Bild einer Sternwarte, täuschte es eine friedliche Nutzung vor.
Doch innerhalb der riesigen Kuppel mit 49 m Durchmesser, später Radom genannt, drehte sich eine Parabolantenne mit 34 m Durchmesser und 240 Tonnen Masse.
In nur 15 Sekunden dreht sich diese massive Schüssel einmal um sich selbst. Damit war Deutschland führend in der Welt.
Bis heute gibt es keine größere, sich so schnell drehende Radaroptik. Und es wird sie auch nie geben, da man heute mit elektronischer Strahlschwenkung arbeitet.
Aber diese modernen Anlagen überwachen nur einen Winkelbereich unter 120 Grad und so sind mindestens 3 Anlagen neuerer Bauart notwendig um solch eine Rundum – Aufklärung zu bewerkstelligen.
Der Suchimpuls war so stark, dass raketengroße Objekte schon bis nach Russland hinein entdeckt werden konnten.

Im laufe der Jahre wurde die Anlage immer weiter verbessert und ist heute in der Lage kleinste Objekte im erdnahen Weltraum zu erfassen.

Bilder:
1.Die militärisch, grüne Radaranlage bekam ein weißes „Häubchen“ (Bilder: Frauenhofer Institut)
2.Bunker und Hubschrauberlandeplatz lassen auf die militärische Nutzung schließen (Frauenhofer Institut) Auch heute gibt es noch keine größere, schnell drehenden Radarparabolantenne auf der Welt.
3.Von 1967 bis 1971 entstand auch das voll schwenkbare Großteleskop Effelsberg mit einer Gesamthöhe von 108 Metern und 1950 Tonnen beweglicher Antennenmasse. Mit diesen beiden zivilen und miltärischen Parabolantennen war die junge Bundesrepublik in den 60er und 70er Jahren wieder mit führend in der Antennentechnik.

Dutzende auch Stasi-Agenten waren auf die westdeutsche Radar-Technologie angesetzt, und so verwundert es nicht, dass ca. 15 Jahre später drei nur annähernd ! so große Antennen im Rahmen der „Wega“- Raketenrüstung in der DDR entstanden.
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andreaswagner
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Re: Adenauer Atomraketen Geheimnis

Beitrag: # 1107Ungelesener Beitrag andreaswagner
Mo 29. Mär 2021, 21:09

Teil 8

War eine Rakete durch das heute so genannte „TIRA Wachtberg“ entdeckt und klassifiziert, wurde ein Alarm an den entsprechenden zugehörigen Zielsektor weitergeleitet. Dort wurde das abzufangende Ziel weiter begleitet.
Im Fall des Raketenschirms der Bundeshauptstadt Bonn war das Verfolgungs-Radar im Rothaargebirge 1,5 km süd-südöstlich der Stadt Erndtebrück.
Dort war der Führungs-Bunker „Erich“, eine große Radaranlage, eine Versorgungskaserne und 2 störsichere Nachrichten – Verbindungsparks entstanden.
Im folgenden Text beschreibe ich kurz die 5 Liegenschaften der Koordinations-Stelle bei Erndtebrück.

Da wäre zunächst der Bunker in dem die Koordination der Raketenabwehr vorbereitet wurde. Dieser Bunker „Erich“ liegt in einem 100 x 250 m großem abgesperrtem und gesichertem Gelände mit Baumbewuchs. Diese Liegenschaft ist nur 500m vom Ortsrand in südöstlicher Richtung entfernt. Während früher nichts auf die geheime Anlage hindeutete, ist sie heute als zeitgeschichtliches Museum des Kalten Krieges zu besichtigen.
Dieser Bunker war über zwei Antennenfelder mit anderen Führungsstäben verbunden.
Ein Antennenpark liegt 1 km ostsüdöstlich des Bunkers auf einer Bergspitze nahe beim Forsthaus „Immergrün“. Dieser Park ist ca. 20.000 qm groß und hat ein Wach- ein Unterkunfthaus sowie zwei Werkstattbauten bzw. Hallen mit nicht bekanntem Zweck. Doch das wichtigste waren wohl die zahlreichen Antennen unterschiedlichster Art. Ein hoher Richtfunkmast sowie 9 Antennenmaste in zwei Halbkreisen. Dann sind noch mehrere kleine Antennen auf Google Earth zu erkennen.

Ein zweiter Antennenpark auf ca.14.000 qm Fläche befindet sich westlich des Dorfs Schameder. Auch dort sind Häuser und Hallen sowie zahlreiche Antennen zu bemerken.
Der kleine Ort Schameder verfügt über einen kleinen aber bekannten Flugplatz. Dieser liegt östlich vom Dorf auf einem Bergrücken. Der Flugverein verfügte über gute Kontakte in alle Welt und so konnte ich dort einmal das Kunstflug-Team des Jordanischen Königs bewundern. Nach der Wende zur Wiedervereinigung Deutschlands kam Besuch aus dem Osten und ich durfte zum ersten Mal mit dem großen Antonow An-2 Doppeldecker fliegen. Die Sicht aus den Cockpit war gewöhnungsbedürftig und die Geräuschkulisse eher wie in einer Dampfmaschine. Der Schatten der Maschine bewegte sich nur langsam am Boden. Soweit zu meinen persönlichen Erinnerungen an Erndtebrück und Schameder.

Zurück zum Militärischen.
Der wichtigste Teil der Anlage war die Radarstellung auf dem 686 m hohen „Ebschloh“ des Rothaargebirgzuges. 1,5 km südlich des Bunkers „Erich“ bot sich eine weite, freie Fernsicht nach Osten. Die dort auf einem Sockel erhöht stehende, 18 m spannende Radarantenne diente der Koordination der Luftabwehr für einen großen Teil des Bundeslandes NRW. Diese Radarantenne wurde mit der Wiedervereinigung zweck- und nutzlos und wurde dort demontiert, doch zur Erinnerung in der nahen Hachenberg- Kaserne nordwestlich von Erndtebrück hinter der Wache wieder aufgebaut. Diese Kaserne am Ende der Grimbachstrasse war zur Ausbildung von Soldaten und zur Versorgung der verschiedenen BW Liegenschaften dort zuständig.
Nach meinen Informationen war der gesamte Komplex aller Liegenschaften durch das Tiefflieger-Abwehrsystem „Roland“ behütet. Gegen Angriffe aus größerer Höhe war der Bereich um Erndtebrück durch seine gute Lage innerhalb des Raketenabwehrgürtels gut geschützt.

Bild: Radarstellung Ebschloh Quelle Archiv WW
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andreaswagner
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Re: Adenauer Atomraketen Geheimnis

Beitrag: # 1108Ungelesener Beitrag andreaswagner
Sa 10. Apr 2021, 00:44

Leider war die letzte Bildunterschrift der letzten Übertragung von mir vergessen worden.
Hier der Nachtrag:
von der großen Radaranlage steht heute nur noch der Sockel (Pfeil), die kleinere Antenne (links im Bild) dient nach meiner Kenntnis heute der zivilen Luftfahrt

Habe auf youtube 3 Filme zum Thema Bunker bei Erndtebrück gefunden. (sehr sehenswert)
1.
https://www.youtube.com/watch?v=MDqAfBQg4_g
bei dieser Begehung waren die Arbeitskonsolen unterhalb der Gesamtdarstellungsfläche schon abgebaut!
2.
https://www.youtube.com/watch?v=kpc9r79YOWw
Bunker Erich scheint nicht mehr begehbar zu sein, an der Erdoberfläche ist jetzt wohl ein Abenteuerspielplatz
3.
https://www.youtube.com/watch?v=QhZSDCz_0Qo
Hier ist am Anfang des Filmes die alte Radar-Antenne zu sehen! Jetzt wie von mir beschrieben in der Kaserne hinter der Wache aufgestellt.
Die Luftlage-Koordinationsstelle bei Erndtebrück wurde mit der Außerdienststellung des Bunkers "Erich" wohl nicht aufgegeben, sondern modernisiert und "tiefer gelegt"!
Darauf deutet die Kohlenlore neben dem Kasernenschild und der Radar-Antenne hin.
Vermutlich ist man mit der neuen Aufklärungs-Zentrale tief unter die Erde, in ein ehemaliges Bergwerk gegangen!

Auf meiner Aufnahme sind noch die Arbeitskonsolen unter dem Großbildschirm zu erkennen.(Archiv W.W.)
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